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Claim-Check

Exosomen-Serum: Was Exosomen in der Hautpflege können

Exosomen gelten als nächster Hype nach PDRN. Was in Seren steckt, warum menschliche Exosomen in EU-Kosmetik verboten sind und was die Studien zeigen.

Frau im weißen Top hält lächelnd eine Pipette mit Goldkappe vor hellem Hintergrund
Foto: Authentic Stock / StockSnap (CC0)

Exosomen sind winzige Bläschen, die Zellen an ihre Umgebung abgeben, meist 30 bis 150 Nanometer groß. Sie enthalten Eiweiße, Fette und Erbgutbausteine und gelten als Boten zwischen Zellen. In der Ästhetik-Praxis werden Exosomen nach Microneedling oder Laser auf die Haut gegeben oder gespritzt; inzwischen stehen sie auch auf Seren für zu Hause, etwa auf dem „Zero Exosome Shot“ von medicube. Wir haben vier Versprechen geprüft. Wie die Urteile zustande kommen, steht unter So prüfen wir.

Was in einem Exosomen-Serum steckt

Die EU-Kosmetikverordnung verbietet in Anhang II, Nummer 416, „Zellen, Gewebe oder Produkte menschlichen Ursprungs“ in Kosmetik. Die EU-Datenbank CosIng verweist bei Exosomen aus menschlichen Blutplättchen, bei Exosomen aus menschlichen Fett-Stammzellen und bei Nährlösungen aus menschlichen Stammzellkulturen (Conditioned Media) auf genau diesen Eintrag. Erlaubt sind Bläschen aus anderen Quellen. CosIng führt zahlreiche Einträge mit „Extracellular Vesicles“ oder „Exosomes“ im Namen, etwa aus Milch, aus Kulturen des Milchsäurebakteriums Lactobacillus, aus Lilienwurzeln oder aus Kallusgewebe der Kornblume.

Wie viel davon in einem Serum steckt, zeigt die Liste des medicube Zero Exosome Shot auf der US-Seite der Marke (abgerufen am 12.10.2026). In der stärksten Variante, „25000“, stehen dort Lactobacillus Extracellular Vesicles (154 ppm) und Milk Exosomes (10 ppm). Zusammen sind das 0,0164 Prozent. Weiter vorn in der Liste steht Hydrolyzed Sponge, also Schwammnadeln. Was die tun, steht im Claim-Check Reedle Shot und Spicules.

1. „Die Stammzell-Behandlung für zu Hause“

Ein Exosomen-Serum bringt die Stammzell-Behandlung nach Hause

Urteil: Falsch

Kosmetik in der EU darf nichts menschlichen Ursprungs enthalten, also auch keine Exosomen aus menschlichen Stammzellen oder Blutplättchen. Erlaubt sind Bläschen etwa aus Bakterien, Milch oder Pflanzen; im Serum von medicube stecken sie in Spuren.

Viele der Studien, die eine systematische Übersicht von 2026 zusammengefasst hat, arbeiteten mit Exosomen aus menschlichen Zellen: aus Fettgewebe, aus Blutplättchen, aus Stammzellen der Plazenta. Andere nutzten Bläschen aus Kuhmilch, Bakterien oder Pflanzen. Für ein Serum, das in der EU als Kosmetik verkauft wird, sind die menschlichen Quellen verboten.

Steht in der Liste eines importierten Serums etwas mit „Human“ — zum Beispiel Human Adipose-Derived Stem Cell Conditioned Media —, darf das Produkt in der EU nicht als Kosmetik verkauft werden. Steht „Stammzell-Exosomen“ auf einem Serum aus dem hiesigen Handel, dürfen nur Bläschen aus Pflanzen- oder Tierzellen gemeint sein.

2. „Exosomen dringen tief in die Haut ein“

Exosomen aus dem Serum dringen tief in die Haut ein

Urteil: Nicht belegt

Im Laborversuch kamen Exosomen aus Nabelschnur-Stammzellen allein kaum durch Schweinehaut. Die meisten Studien am Menschen öffnen die Haut deshalb vorher mit Nadeln oder Laser. Wie weit die Bläschen aus einem Serum in menschliche Haut gelangen, hat nach unserer Suche niemand gemessen.

Ein Exosom ist kein Molekül, sondern ein Bläschen aus vielen Molekülen. Eine Forschungsgruppe aus China hat 2020 geprüft, ob Exosomen aus Nabelschnur-Stammzellen durch Schweinehaut kommen: allein kaum. Erst nachdem die Haut mit Schwammnadeln behandelt war, nahm sie 5,9-mal mehr davon auf. Eine Arbeitsgruppe, die Exosomen aus Rosenzellen getestet hat, schreibt 2026, die begrenzte Aufnahme in die Haut schränke deren Nutzen ein, und gab sie deshalb direkt nach einer Nadel-Radiofrequenz-Behandlung auf die Haut.

So ist es in den meisten Studien: Die systematische Übersicht von 2026 nennt Cremes und Lotionen, Spritzen, Mesotherapie und das Auftragen nach Microneedling oder Radiofrequenz-Microneedling. Hersteller wie medicube kombinieren Exosomen im Serum folgerichtig mit Schwammnadeln.

3. „Studien zeigen: Exosomen verjüngen die Haut“

Studien zeigen, dass Exosomen die Haut verjüngen

Urteil: Teilweise belegt

Es gibt Studien mit besseren Werten bei Falten, Feuchtigkeit und Pigmentflecken. Fast alle sind klein, ohne Vergleichsgruppe, oft mit Microneedling oder Laser kombiniert und eng mit Herstellern verbunden. Viele nutzten menschliche Exosomen, die in EU-Kosmetik verboten sind.

Zwei Übersichtsarbeiten von 2026 haben die Studien am Menschen zusammengetragen. Die eine fand 19 Studien, die meisten nicht randomisiert, die meisten mit mittlerem bis hohem Verzerrungsrisiko und kurzer Nachbeobachtung; sie fordert sorgfältige randomisierte Studien. Die andere fand 17 Studien aus den Jahren 2020 bis 2025, meist klein, ohne Kontrollgruppe und mit möglichen Interessenkonflikten. Drei Beispiele zeigen, wie die Daten aussehen:

  • Rochester (USA), 2024. 20 Personen, 18 davon Frauen, im Mittel 54 Jahre alt, trugen zwölf Wochen lang zweimal täglich ein Serum mit Exosomen aus menschlichen Blutplättchen auf. Gewebeproben vom Oberarm zeigten danach in der Lederhaut weniger seneszente Zellen, also Zellen, die sich nicht mehr teilen. Eine Placebogruppe gab es nicht, das nennen die Autoren selbst als Schwäche. Bezahlt hat die Studie der Hersteller des Serums; ein Autor berät die Firma, ein anderer hat sie mitgegründet. Exosomen aus menschlichen Blutplättchen sind in EU-Kosmetik nicht erlaubt.
  • China, 2024. 31 Frauen zwischen 26 und 45 Jahren trugen 28 Tage lang zweimal täglich Exosomen aus Kuhmilch auf. Gegenüber dem Ausgangswert stieg die Hautfeuchtigkeit um 5,6 Prozent, die Zahl der Falten sank um 5 Prozent, ihre Fläche um 9,6 Prozent. Eine Gruppe ohne Exosomen gab es nicht. Die Rechte am Artikel hält eine Exosomen-Firma.
  • Halbseitenstudie, 2026. Sechs Personen bekamen auf beiden Gesichtshälften eine Nadel-Radiofrequenz-Behandlung, auf einer Hälfte danach zusätzlich Exosomen aus Rosenzellen. Nach einem und nach drei Monaten waren die Falten auf der Exosomen-Seite signifikant stärker zurückgegangen. Die Autoren nennen ihre Ergebnisse vorläufig.

Wie sich ein Serum mit Bakterien- und Milchbläschen in Spuren auf intakter Haut schlägt, also ohne Nadel und Laser, zeigt keine dieser Studien.

4. „15 Millionen Exosomen, 242 Prozent mehr Aufnahme“

15 Millionen Exosomen sorgen für 242 Prozent mehr Aufnahme

Urteil: Nur Herstellerdaten

Die Zahlen stammen laut medicube aus einem eigenen Prüfbericht und einer Befragung von 20 Personen. Wie gemessen wurde und gegen was, steht auf der Produktseite nicht. In der stärksten Variante machen die Exosomen zusammen weniger als 0,02 Prozent des Serums aus.

Für das Zero Exosome Shot wirbt medicube mit „15M patentierten Exosome Shots“ und 242 Prozent mehr Aufnahme von Wirkstoffen gegenüber der Pflege allein, dazu mit Werten wie minus 21,1 Prozent Porendichte. Als Quelle nennt die Seite einen eigenen Prüfbericht. Die zweite Angabe, 100 Prozent Zufriedenheit, stammt aus einer Befragung von 20 Personen im Spätsommer 2022. Ob die 242 Prozent auf die Exosomen zurückgehen oder auf die Schwammnadeln, die die Haut durchlässiger machen, lässt sich daraus nicht ablesen. Für das PDRN Pink Collagen Exosome Shot nennt medicube „15M“ Exosomen und 269 Prozent mehr Aufnahme nach 30 Minuten, ebenfalls ohne Angabe, wie viele Personen gemessen wurden.

Vorsicht bei Exosomen aus der Spritze

In den USA gilt: Exosomen, die Krankheiten behandeln sollen, sind Arzneimittel und brauchen eine Zulassung. Zugelassen war im Dezember 2019 keines, als die US-Arzneimittelbehörde FDA öffentlich vor nicht zugelassenen Exosomen-Produkten warnte, nachdem Patienten in Nebraska schwere Nebenwirkungen erlitten hatten. Die Übersichtsarbeiten von 2026 nennen nach Spritzen Granulome, Gewebeschäden und allergische Reaktionen; beim Auftragen auf die Haut berichten die Studien dagegen kaum Probleme.

Unsere Einordnung

Ein Exosomen-Serum, das in der EU rechtmäßig verkauft wird, enthält keine menschlichen Exosomen, sondern Bläschen etwa aus Bakterien, Milch oder Pflanzen — im Beispiel von medicube in Spuren. Ob die überhaupt in die Haut gelangen, ist nicht gemessen, und die Studien, die einen Effekt zeigen, sind klein, ohne Vergleich und meist mit Nadeln oder Laser kombiniert.

  • Glattere, frischere Haut am selben Tag liefern Feuchtigkeitsbinder wie Hyaluronsäure zuverlässig, mit oder ohne Exosomen.
  • Gegen Hautalterung sind nach den vorhandenen Studien Sonnenschutz und Retinol am besten belegt, mehr dazu im Claim-Check Kollagen-Creme.
  • Wer Exosomen in einer Praxis angeboten bekommt, fragt nach Herkunft und Zulassung des Präparats und danach, ob es aufgetragen oder gespritzt wird.

Quellen

  • Flores Rodríguez et al.: Efficacy of Exosome-Based Therapies for Skin Rejuvenation: A Systematic Review of Human Studies, Cureus 2026 (Größe, Quellen, Anwendungswege, Studienqualität) — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12933354
  • Wang et al.: Exosome-Based Therapies in Dermatology: A Scoping Review, Journal of Drugs in Dermatology 2026 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41931695
  • Kosmetik-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang II Nr. 416 — eur-lex.europa.eu
  • Europäische Kommission, CosIng: Cells, tissues or products of human origin (Anhang II/416) — ec.europa.eu
  • CosIng: Human Platelet Exosomes (Verweis auf II/416) — ec.europa.eu
  • CosIng: Human Adipose Derived Mesenchymal Stem Cell Exosomes (Verweis auf II/416) — ec.europa.eu
  • CosIng: Human Adipose-Derived Stem Cell Conditioned Media (Verweis auf II/416) — ec.europa.eu
  • CosIng: Lactobacillus Extracellular Vesicles — ec.europa.eu
  • CosIng: Milk Exosomes — ec.europa.eu
  • medicube: Zero Exosome Shot, US-Produktseite mit Inhaltsstoffen, Prüfwerten und Befragung, abgerufen am 12.10.2026 — medicube.us
  • medicube: PDRN Pink Collagen Exosome Shot, US-Produktseite — medicube.us
  • Zhang et al.: Topical Application of Exosomes Derived from Human Umbilical Cord Mesenchymal Stem Cells in Combination with Sponge Spicules for Treatment of Photoaging, International Journal of Nanomedicine 2020 — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7185618
  • Huang et al.: Preliminary Insights From a Split-Face Study on Skin Quality Changes After Needling Radiofrequency With or Without a Plant-Derived Exosome-Based Formulation Over 6 Months, Aesthetic Surgery Journal 2026 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41800727
  • Wyles et al.: Topical Platelet Exosomes Reduce Senescence Signaling in Human Skin: An Exploratory Prospective Trial, Dermatologic Surgery 2024 — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11524632
  • Lu et al.: Novel roles of bovine milk-derived exosomes in skin antiaging, Journal of Cosmetic Dermatology 2024 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38105431
  • U.S. Food and Drug Administration: Public Safety Notification on Exosome Products, 06.12.2019 — fda.gov