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Wirkstoff

Kupferpeptide (GHK-Cu): Viel Laborforschung, wenig Studien am Menschen

Kupferpeptide sollen die Haut zur Kollagenbildung anregen. Was in Zellversuchen gezeigt ist, was am Menschen gemessen wurde — und warum ein Drittel der Forschung aus dem Umfeld einer Firma stammt.

Frau trägt mit einer Pipette ein Serum auf die Wange auf
Foto: Authentic Stock / StockSnap (CC0)
INCI
Copper Tripeptide-1
Herkunft
Synthetisch; Vorbild ist ein Peptid aus menschlichem Blutplasma, das auch beim Abbau von Kollagen frei wird
Prinzip
Drei Aminosäuren binden ein Kupfer-Ion; in Zellversuchen regt der Komplex die Bildung von Kollagen an
Bis zum Effekt
In den Studien am Menschen 8 bis 12 Wochen
Beleglage
Nur Herstellerdaten — am Menschen wenige kleine Studien, teils firmenfinanziert; viele Laborbefunde

Kupferpeptide, auf Seren oft „Copper Peptides“, heißen in der Inhaltsstoffliste Copper Tripeptide-1, in der Forschung GHK-Cu. Das Peptid ist seit 1973 bekannt und wurde, wie PDRN, auch in der Wundheilung erforscht. Das Versprechen auf der Flasche: Die Haut soll mehr eigenes Kollagen bilden.

Hier steht, was GHK-Cu ist, was im Labor gezeigt ist, was am Menschen gemessen wurde — und wie die Forschungslage zustande gekommen ist.

Was GHK-Cu ist

GHK steht für die drei Aminosäuren Glycin, Histidin und Lysin. Zusammen binden sie ein Kupfer-Ion; rein bildet der Komplex dunkel blauviolette Kristalle. Entdeckt hat das Peptid der Forscher Loren Pickart 1973 im menschlichen Blutplasma. Nach seinen Angaben liegt der Spiegel im Blut mit 20 Jahren bei etwa 200 Nanogramm pro Milliliter und mit 60 Jahren bei etwa 80.

Dass GHK-Cu mit Kollagen zu tun hat, ist kein Werbetrick. Laut einer systematischen Übersicht aus Kalifornien von 2026 steckt GHK als Baustein im Kollagen selbst und in einem weiteren Gewebeeiweiß und wird frei, wenn diese abgebaut werden; nach Pickart geschieht das etwa bei einer Verletzung. Und Kupfer braucht der Körper für eine Gruppe von Enzymen, die Kollagenfasern miteinander vernetzen.

Mit rund 403 Dalton ist GHK-Cu kleiner als die etwa 500 Dalton, bis zu denen Stoffe nach einer gängigen Faustregel durch intakte Haut kommen — ein wichtiger Unterschied zu Kollagen aus der Creme, das hunderte Male größer ist. Eine Übersichtsarbeit aus Teheran hält GHK-Cu für vergleichsweise gut hautgängig, sieht aber Hürden: Das Peptid löst sich leicht in Wasser und schlecht in Fett, die Hornschicht ist eine fettige Barriere, und in der Haut warten Enzyme, die Peptide zerlegen.

Was im Labor gezeigt ist

Zu GHK-Cu gibt es mehr als vier Jahrzehnte Forschung an Zellen und Tieren. In Zellkulturen bildeten Bindegewebszellen der Haut mit GHK-Cu mehr Kollagen und Elastin. Eine zweite systematische Übersicht von 2026, erschienen in der Fachzeitschrift der US-Fachgesellschaft The Aesthetic Society, fand in den Labor- und Tierstudien einheitlich mehr Bindegewebe, mehr neue Blutgefäße und mehr Zellteilung. Wie bei allen Laborbefunden gilt: Sie zeigen, dass ein Mechanismus denkbar ist, nicht, dass ein Serum im Gesicht etwas bewirkt. Mehr dazu unter So prüfen wir.

Kommt GHK-Cu dorthin, wo es wirken soll? Forschende der Universität von Kalifornien in San Francisco legten 2010 eine wässrige Lösung mit GHK-Cu 48 Stunden lang auf Stücke menschlicher Haut, in einer Menge, die in dieser Zeit nicht zur Neige ging. Ein Teil des Kupfers gelangte durch die Haut hindurch, ein weiterer blieb darin gespeichert. Gemessen wurde allerdings das Kupfer, nicht, ob das Peptid unversehrt ankam. Die Übersicht aus Kalifornien verweist auf Mikronadeln, mit denen GHK-Cu im Labor und an Schweinehaut deutlich besser in die Haut kam — eine ausreichend große Studie am Menschen dazu gebe es aber nicht.

Was am Menschen gemessen wurde

Die Übersicht in der Fachzeitschrift der Aesthetic Society fand zu GHK-Cu als alleinigem Wirkstoff in der ästhetischen Medizin 20 Studien. 18 davon waren Labor- oder Tierstudien, zwei randomisierte Studien am Menschen. Die Übersichtsarbeit aus Teheran spricht von einem „überraschenden Mangel“ an klinischen Studien. Die Studien, die wir gefunden haben:

  • Neuseeland, 2016. 40 Frauen zwischen 40 und 65 trugen acht Wochen lang auf eine Gesichtshälfte ein Serum mit GHK-Cu in winzigen Fettträgern (Nanoträgern) auf. Die andere Hälfte bekam bei 20 Frauen dasselbe Serum ohne GHK-Cu und ohne Nanoträger, bei den übrigen ein Handelsprodukt mit Matrixyl 3000; weder die Frauen noch die Untersuchenden wussten, was wo war. Gemessen wurde je Frau eine große Falte am Augenwinkel, dreidimensional. Ihr Volumen ging mit GHK-Cu um 24 Prozent zurück, auf der Vergleichsseite um 15 Prozent; der Unterschied war signifikant, ebenso bei der Faltentiefe. Gegenüber dem Matrixyl-Produkt war der Unterschied beim Volumen signifikant, bei der Tiefe nicht. 39 Frauen wurden ausgewertet. Die Studie lief an der Universität Auckland und einem Prüfinstitut in Münster; finanziert hat sie der Hersteller des getesteten Serums zusammen mit Callaghan Innovation. Der Hersteller war laut den Autoren an Auswertung und Text nicht beteiligt.
  • USA, 2006. 13 Menschen bekamen nach einer Laserbehandlung um den Mund eine Pflege mit oder ohne GHK-Cu. Computer und verblindete Gutachter fanden keinen Unterschied, weder bei der Rötung noch bei Falten und Hautbild. Zufriedener mit dem Ergebnis waren die Behandelten mit GHK-Cu.
  • Ältere Angaben. Loren Pickart und seine Kollegin Anna Margolina führen 2018 eine Gesichtscreme an, die bei 71 Frauen, und eine Augencreme, die bei 41 Frauen nach zwölf Wochen Haut und Falten verbessert habe, die Augencreme besser als ein Placebo. Beides sind Kurzfassungen aus dem Tagungsband eines Dermatologie-Kongresses von 2002. Dazu kommt eine Pilotstudie mit 20 Personen, in der Gewebeproben vom Oberschenkel bei 70 Prozent der zehn Personen mit GHK-Cu-Creme mehr Kollagen-Vorstufen zeigten; bei den zehn anderen waren es mit Vitamin-C-Creme 50 Prozent und mit Tretinoin 40 Prozent. Ein Placebo gab es nicht; die Dauer geben zwei Übersichtsarbeiten unterschiedlich an, als einen Monat und als zwölf Wochen. In der Datenbank PubMed ist die Arbeit von 1998 nicht verzeichnet (Suche am 07.10.2026).

Wer die Forschung macht

Die Übersicht aus Kalifornien hat nachgezählt: An rund 35 Prozent der seit 2005 erschienenen Originalarbeiten zu GHK-Cu sind Loren Pickart oder Anna Margolina beteiligt, beide von der Firma Skin Biology. Pickart hat das Peptid entdeckt und hatte jahrzehntelang geschäftliche Interessen auf dem Gebiet. Die Arbeit der Gruppe sei wissenschaftlich gehaltvoll, schreiben die Autorinnen und Autoren, aber die Konzentration auf so wenige Forschende schränke die Unabhängigkeit der Belege ein. In der Übersicht von 2018 geben Pickart und Margolina als Anschrift die Forschungsabteilung von Skin Biology an und erklären zugleich, keine Interessenkonflikte zu haben.

Kupferpeptide regen die Kollagenbildung in der Haut an

Urteil: Nur Herstellerdaten

In Zellkulturen ja. Am Menschen stützt sich die Aussage auf eine Pilotstudie ohne Placebo, in der zehn Personen die Creme bekamen und die in PubMed nicht verzeichnet ist, und auf Kongress-Kurzfassungen, die vor allem der Entdecker des Peptids anführt — ein Forscher mit jahrzehntelangen Geschäftsinteressen auf dem Gebiet. Eine unabhängige Wiederholung haben wir nicht gefunden.

Kupferpeptide glätten Falten

Urteil: Teilweise belegt

In einer vom Serum-Hersteller bezahlten Halbseiten-Studie schrumpfte das Volumen einer Falte am Augenwinkel in acht Wochen um 24 Prozent, auf der Vergleichsseite um 15 Prozent. Nach einer Laserbehandlung fanden verblindete Gutachter dagegen keinen Unterschied. Mehr als ein kleiner Effekt ist nicht belegt.

Und die Haare?

Kupferpeptide werden auch für Kopfhaut und Haare angeboten. Eine Laborstudie, auf die sich Arbeiten zu GHK-Cu dabei berufen, stammt von der Nationaluniversität Seoul aus dem Jahr 2007: Haarfollikel in der Kulturschale wuchsen mit dem Kupferpeptid stärker. Verwendet wurde allerdings AHK-Cu, ein verwandtes Peptid mit Alanin statt Glycin, nicht GHK-Cu. Eine kontrollierte Studie mit GHK-Cu als alleinigem Wirkstoff am Kopf haben wir in PubMed nicht gefunden (Suche am 07.10.2026); die vorhandenen Studien prüfen Mischungen mit weiteren Wirkstoffen.

Kupferpeptide lassen die Haare wachsen

Urteil: Nicht belegt

Die Laborstudie an Haarfollikeln, auf die sich Arbeiten zu GHK-Cu berufen, verwendete ein verwandtes Peptid, nicht GHK-Cu. Eine kontrollierte Studie mit GHK-Cu allein an der Kopfhaut haben wir nicht gefunden.

Was auf der Flasche steht

  • Der Name. In der Inhaltsstoffliste steht Copper Tripeptide-1. „Peptide“ oder „Kupfer“ auf der Vorderseite heißt nicht, dass genau dieser Stoff drin ist.
  • Die Prozentzahl. The Ordinary nennt sein Serum „Multi-Peptide + Copper Peptides 1%“, erklärt aber nicht, worauf sich das eine Prozent bezieht. Zum Vergleich: Im Bericht des US-Expertengremiums Cosmetic Ingredient Review (CIR) heißt es nach einer Einsendung an das Gremium, Peptide würden in Kosmetik üblicherweise unter 10 ppm eingesetzt, also unter 0,001 Prozent. Für das Kupferpeptid selbst nennen die dort ausgewerteten Daten 18 gemeldete Produkte, aber keine Konzentration.
  • Die Sicherheit. Das CIR hat Copper Tripeptide-1 in der üblichen Verwendung und Menge als sicher bewertet.
  • Die Kombination. The Ordinary rät, das Kupferpeptid-Serum nicht zusammen mit direkten Säuren, direktem Vitamin C, Retinoiden oder starken Antioxidantien zu verwenden, und empfiehlt vorher einen Test an einer kleinen Hautstelle.

Finger weg von Spritzen

Kupferpeptide gehören auf die Haut, nicht unter die Haut. Kosmetische Mittel sind nach EU-Recht dazu bestimmt, äußerlich mit dem Körper in Berührung zu kommen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA führt GHK-Cu zum Spritzen seit September 2023 auf ihrer Liste von Rezepturwirkstoffen, die erhebliche Sicherheitsrisiken bergen können: Gespritzt könne es wegen möglicher Verklumpung und Verunreinigungen Immunreaktionen auslösen, und Daten zur Sicherheit am Menschen gebe es kaum (Stand der Seite: 22.04.2026).

Unsere Einordnung

GHK-Cu ist kein reiner Hype-Stoff: Es kommt im Körper vor, hängt mit dem Kollagen zusammen und gelangte im Laborversuch zumindest teilweise in die Haut. Die vielen Laborbefunde sind aber nicht durch entsprechend viele Studien am Menschen gedeckt. Die aussagekräftigste Studie, die wir gefunden haben, ist eine vom Hersteller bezahlte Halbseiten-Studie mit einem kleinen Effekt auf eine einzelne Falte; die zweite randomisierte Studie fand objektiv keinen Unterschied, und ein großer Teil der Literatur stammt aus dem Umfeld einer Firma.

  • Wer Kupferpeptide probieren will, findet ein Serum mit geprüfter Inhaltsstoffliste in der Kaufberatung Peptid-Seren — und sollte keine Wunder erwarten.
  • Besser belegt gegen Hautalterung sind Sonnenschutz und Retinol; die Studien dazu stehen in derselben Kaufberatung.
  • Kollagen direkt aufzutragen ist keine Alternative: Warum es nicht in die Haut kommt, steht im Claim-Check Kollagen-Creme.

Quellen

  • Pickart & Margolina (Skin Biology): Regenerative and Protective Actions of the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data, International Journal of Molecular Sciences 2018 (Entdeckung 1973, Blutspiegel, Freisetzung bei Verletzung, Studien zu Gesichts-, Augen- und Oberschenkelcreme) — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6073405
  • Najafi et al.: A Systematic Review of the Mechanisms and Therapeutic Applications of GHK-Cu …, Archives of Internal Medicine Research 2026 (Herkunft aus Kollagen, Kupfer und Kollagenvernetzung, Mikronadeln, Anteil der Pickart-Arbeiten) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42787770
  • Cosmetic Ingredient Review: Safety Assessment of Tripeptide-1, Hexapeptide-12, their Metal Salts and Fatty Acyl Derivatives, and Palmitoyl Tetrapeptide-7 as Used in Cosmetics, Abschlussbericht 2014 (Kristalle, gemeldete Produkte, Einsatzmengen, Bewertung) — cir-safety.org
  • Mortazavi et al.: Topically applied GHK as an anti-wrinkle peptide: Advantages, problems and prospective, BioImpacts 2025 (Molekülgröße, Hautgängigkeit, Mangel an klinischen Studien, Pilotstudie von 1998 und Kongressbeiträge von 2002) — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11830136
  • Bos & Meinardi: The 500 Dalton rule for the skin penetration of chemical compounds and drugs, Experimental Dermatology 2000 — doi.org/10.1034/j.1600-0625.2000.009003165.x
  • Hostynek et al.: Human skin retention and penetration of a copper tripeptide in vitro as function of skin layer, Inflammation Research 2010 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20703511
  • Mokhtar et al.: The Regenerative Potential of GHK-Cu in Aesthetic Medicine, Aesthetic Surgery Journal 2026 (Labor- und Tierbefunde, zwei randomisierte Studien) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42619529
  • Badenhorst et al.: Effects of GHK-Cu on MMP and TIMP Expression, Collagen and Elastin Production, and Facial Wrinkle Parameters, Journal of Aging Science 2016 (Zellversuche, Halbseiten-Studie, Finanzierung) — longdom.org
  • Miller et al.: Effects of topical copper tripeptide complex on CO2 laser-resurfaced skin, Archives of Facial Plastic Surgery 2006 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16847171
  • Pyo et al.: The effect of tripeptide-copper complex on human hair growth in vitro, Archives of Pharmacal Research 2007 (AHK-Cu) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17703734
  • The Ordinary: Multi-Peptide + Copper Peptides 1% Serum, Inhaltsstoffe, Unverträglichkeiten und Anwendung — theordinary.com
  • Kosmetik-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 2 (Begriff „kosmetisches Mittel“) — eur-lex.europa.eu
  • US Food and Drug Administration: Certain Bulk Drug Substances for Use in Compounding that May Present Significant Safety Risks (GHK-Cu zum Spritzen, Stand 22.04.2026) — fda.gov