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Kaufberatung

Peptid-Serum: Welche Peptide was sollen — und welches Serum zu welchem Ziel passt

Matrixyl, Argireline, Kupferpeptide: Hinter „Peptid-Serum“ stecken ganz verschiedene Wirkstoffe mit sehr unterschiedlicher Beleglage. Woran man sie in der Inhaltsstoffliste erkennt und was man realistisch erwarten kann.

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Drei Pipettenfläschchen und zwei Cremetiegel mit leeren Etiketten auf rosa Leinen
Foto: Polina / Pexels

„Peptide“ steht auf immer mehr Seren und Cremes. Gemeint sind sehr verschiedene Stoffe: Peptide, die Hautzellen zur Bildung von Kollagen anregen sollen, solche, die Mimikfalten entspannen sollen, und Kupferpeptide, die aus der Forschung zur Wundheilung kommen. Gemeinsam ist ihnen, dass die Studien klein sind und oft von Firmen stammen.

Zwei Übersichtsarbeiten zeigen, wie dünn die Datenlage ist. Eine systematische Übersicht von 2019 fand zu Peptiden, die den Hautaufbau anregen sollen, 15 Studien; nur sechs davon hatten eine Placebo-Gruppe, nur fünf waren doppelblind. Eine Metaanalyse von 2026 zählte unter 19 randomisierten Studien zu Peptiden für die Haut nur zwei, in denen die Peptide aufgetragen statt eingenommen wurden. Ihr Effekt auf Falten war kleiner als der von eingenommenen Peptiden und nicht signifikant.

Welches Peptid in einem Serum steckt, verrät die Inhaltsstoffliste. Danach richtet sich, was man erwarten kann.

Drei Gruppen, die in Seren vorkommen

Fachleute teilen kosmetische Peptide in vier Gruppen ein: Signalpeptide, Peptide, die die Signale an die Muskeln bremsen sollen, Trägerpeptide und Enzymhemmer. In den Seren dieser Kaufberatung kommen die ersten drei vor.

Gruppe Steht in der Liste als Soll Beleglage
Signalpeptide Palmitoyl Pentapeptide-4 (Matrixyl), Palmitoyl Tripeptide-1 und Palmitoyl Tetrapeptide-7 (Matrixyl 3000), Palmitoyl Tripeptide-38 Hautzellen zur Bildung von Kollagen anregen am besten untersucht: eine placebokontrollierte Studie mit 93 Frauen, sonst Herstellerdaten
„Botox-Peptide“ Acetyl Hexapeptide-8 (Argireline), Pentapeptide-18 (Leuphasyl), Dipeptide Diaminobutyroyl Benzylamide Diacetate (Syn-Ake) Mimikfalten entspannen dünn; Details im Claim-Check Botox-Creme
Kupferpeptide Copper Tripeptide-1 (GHK-Cu) Kupfer in die Haut bringen, Hautaufbau unterstützen viele Laborbefunde, wenige kleine Studien am Menschen; rund ein Drittel der Fachliteratur aus dem Umfeld einer Firma

Signalpeptide: die beste, aber schmale Datenlage

Die größte placebokontrollierte Studie, die wir gefunden haben, stammt von Forschenden des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble aus dem Jahr 2005. 93 Frauen zwischen 35 und 55 trugen zwölf Wochen lang auf eine Gesichtshälfte eine Feuchtigkeitscreme mit 3 ppm Palmitoyl Pentapeptide-4 auf, auf die andere dieselbe Creme ohne Peptid; weder sie noch die Untersuchenden wussten, welche Seite welche war. Falten und feine Linien gingen auf der Peptid-Seite signifikant stärker zurück. Der Effekt war nach der Zusammenfassung des US-Expertengremiums CIR klein, aber nach acht und zwölf Wochen signifikant.

Für Matrixyl 3000 gibt es Daten des Herstellers Sederma, die das Gremium wiedergibt: 24 Freiwillige im Alter von durchschnittlich 56 Jahren trugen zwei Monate lang eine Creme mit 3 Prozent des Rohstoffs auf eine Gesichtshälfte auf, eine Creme ohne Wirkstoff auf die andere. Tiefe Falten und Rauigkeit gingen auf der Matrixyl-Seite gegenüber dem Ausgangswert signifikant zurück, auf der anderen Seite nicht. Einen direkten Vergleich der beiden Seiten nennt die Zusammenfassung nicht. In einer zweiten Gruppe mit 25 Freiwilligen unterschieden sich Matrixyl 3000 und Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptide-4) nicht signifikant.

Ein Hinweis zu den Mengen: In Studien mit reinen Signalpeptiden waren es wenige ppm, also Millionstel — 3 ppm sind 0,0003 Prozent. Sederma testete dagegen den Rohstoff Matrixyl 3000 mit 3 Prozent. Steht auf einem Serum „Matrixyl 10%“, ist damit nicht gesagt, wie viel reines Peptid drin ist; The Ordinary gibt das bei keinem der vier Seren unten an. Weil Stoffe unter einem Prozent in der Inhaltsstoffliste in beliebiger Reihenfolge stehen dürfen, hilft auch die Position in der Liste nicht weiter.

„Botox-Peptide“: wenig Grund zur Hoffnung auf Botox

Argireline und seine Verwandten sollen die Signale an die Gesichtsmuskeln bremsen. In einer Labormessung der US-Behörde FDA blieb Argireline aus einer Creme aber fast vollständig an der Hautoberfläche, und die wenigen Studien am Menschen sind klein und widersprüchlich. Was die Studien zeigen und warum die Prozentzahl im Produktnamen wenig verrät, steht im Claim-Check Botox-Creme.

Kupferpeptide: viel Labor, wenig Mensch

Das Kupferpeptid GHK-Cu besteht aus drei Aminosäuren, die ein Kupfer-Ion binden. Kupfer braucht der Körper unter anderem für Enzyme, die Kollagenfasern miteinander vernetzen. Zu GHK-Cu gibt es über vier Jahrzehnte Forschung an Zellen und Tieren. Eine systematische Übersicht von 2026 nennt die Studien am Menschen dagegen dünn und zersplittert, die meisten randomisierten Studien seien klein. Sie weist außerdem darauf hin, dass an rund einem Drittel der seit 2005 erschienenen Fachliteratur zu GHK-Cu Loren Pickart oder Anna Margolina beteiligt sind — Pickart hat das Peptid entdeckt und hatte jahrzehntelang geschäftliche Interessen auf diesem Gebiet.

Die Studien, die Pickart und Margolina 2018 für Kupferpeptid-Cremes anführen — eine Gesichtscreme bei 71 Frauen und eine Augencreme bei 41 Frauen, jeweils zwölf Wochen —, sind 2002 als Kurzfassungen im Tagungsband eines Dermatologie-Kongresses erschienen. Wie klein die Studien sein können, zeigt eine randomisierte Studie mit 13 Personen nach einer Laserbehandlung um den Mund: Bei Rötung und Falten fanden verblindete Gutachter keinen Unterschied zwischen der Pflege mit und ohne GHK-Cu; zufriedener waren die Behandelten mit GHK-Cu.

Bevor du Geld für Peptide ausgibst

Bevor du Geld für Peptide ausgibst, lohnt der Blick auf zwei Mittel mit belastbaren Studien:

  • Sonnenschutz. In einer randomisierten Studie aus Australien mit 903 Erwachsenen unter 55 Jahren zeigte die Gruppe, die täglich Sonnenschutz auftrug, nach viereinhalb Jahren keine messbare Zunahme der Hautalterung. Gegenüber der Gruppe, die nur nach Bedarf eincremte, alterte ihre Haut um 24 Prozent weniger.
  • Retinol. In einer doppelblinden Studie mit 36 Menschen von durchschnittlich 87 Jahren verbesserte eine Lotion mit 0,4 Prozent Retinol, 24 Wochen lang auf einen Arm aufgetragen, feine Fältchen signifikant stärker als die Lotion ohne Retinol; in Gewebeproben einer kleinen Teilgruppe stieg die Bildung von Vorstufen des Kollagens. Retinol kann allerdings reizen.

Peptide ersetzen keins von beidem. Wer sie zusätzlich probieren will, wählt nach Ziel.

Die Produkte

Wer PDRN und Peptide in einem Produkt sucht: Das medicube PDRN Pink Peptide Serum steht mit seiner Inhaltsstoffliste in der Kaufberatung PDRN-Seren.

Was wir nicht empfehlen

  • Peptid-Rohstoffe und Seren mit „30 % Argireline“. Das US-Expertengremium CIR hat Argireline bis 0,005 Prozent als sicher bewertet; für höhere Mengen reichten ihm die Daten nicht.
  • Peptide spritzen lassen. Kosmetik-Peptide sind für die Haut gedacht, nicht für die Spritze. Ein Fallbericht beschreibt eine monatelange Infektion nach Argireline-Spritzen in die Stirn — mehr dazu im Claim-Check Botox-Creme.
  • Alles auf einmal. Kupferpeptide zusammen mit Säuren, Vitamin C oder Retinoiden — davon rät The Ordinary selbst ab.

Quellen

  • Michalek et al.: Peptides stimulating synthesis of extracellular matrix used in anti-ageing cosmetics: Are they clinically tested? A systematic review, Australasian Journal of Dermatology 2019 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30941744
  • Nukaly et al.: Oral and topical peptides for skin aging: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials, Frontiers in Medicine 2026 — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13037056
  • Gorouhi & Maibach: Role of topical peptides in preventing or treating aged skin, International Journal of Cosmetic Science 2009 (vier Gruppen) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19570099
  • Robinson et al. (Procter & Gamble): Topical palmitoyl pentapeptide provides improvement in photoaged human facial skin, International Journal of Cosmetic Science 2005 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18492182
  • Cosmetic Ingredient Review: Safety Assessment of Palmitoyl Oligopeptides as Used in Cosmetics, Literaturübersicht vom 13.08.2012 (Matrixyl-3000-Daten von Sederma, Zusammenfassung der P&G-Studie) — cir-safety.org
  • Zdrada-Nowak et al.: Acetyl Hexapeptide-8 in Cosmeceuticals — A Review of Skin Permeability and Efficacy, International Journal of Molecular Sciences 2025 (Leuphasyl, Syn-Ake) — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12193160
  • Kraeling et al. (US Food and Drug Administration): In vitro skin penetration of acetyl hexapeptide-8 from a cosmetic formulation, Cutaneous and Ocular Toxicology 2015 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24754410
  • Cosmetic Ingredient Review: Safety Assessment of Acetyl Hexapeptide-8 Amide as Used in Cosmetics, Abschlussbericht 2021 — cir-safety.org
  • Najafi et al.: A Systematic Review of the Mechanisms and Therapeutic Applications of GHK-Cu …, Archives of Internal Medicine Research 2026 (Studienlage, Anteil der Pickart-Arbeiten) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42787770
  • Pickart & Margolina: Regenerative and Protective Actions of the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data, International Journal of Molecular Sciences 2018 (Kongressbeiträge 2002 zu Gesichts- und Augencreme) — pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6073405
  • Miller et al.: Effects of topical copper tripeptide complex on CO2 laser-resurfaced skin, Archives of Facial Plastic Surgery 2006 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16847171
  • Hughes et al.: Sunscreen and prevention of skin aging: a randomized trial, Annals of Internal Medicine 2013 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23732711
  • Kafi et al.: Improvement of naturally aged skin with vitamin A (retinol), Archives of Dermatology 2007 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17515510
  • Pawłowska et al.: Retinol and Oligopeptide-Loaded Lipid Nanocarriers, Life 2024 (Reizwirkung von Retinol, Pentapeptide-18 in Kombination) — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39459512
  • Kosmetik-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19 (Reihenfolge der Inhaltsstoffe) — eur-lex.europa.eu
  • The Ordinary: Multi-Peptide + HA Serum, Inhaltsstoffe, Anwendung, Test mit 30 Personen — theordinary.com
  • The Ordinary: Matrixyl 10% + HA, Inhaltsstoffe und Anwendung — theordinary.com
  • The Ordinary: Multi-Peptide + Copper Peptides 1% Serum, Inhaltsstoffe und Unverträglichkeiten — theordinary.com
  • The Ordinary: Argireline Solution 10%, Inhaltsstoffe und Anwendung — theordinary.com
  • Chen et al.: Mycobacterium abscessus infection after facial injection of argireline: A case report, World Journal of Clinical Cases 2021 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33748252