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Wirkstoff

Hyaluronsäure: Der Plumping-Effekt, der wirklich funktioniert — für ein paar Stunden

Hyaluronsäure polstert die Haut sofort auf, indem sie Wasser in der Hornschicht bindet. Das ist messbar und hält bis zu einem Tag. Warum es trotzdem nichts mit einem Hyaluron-Filler zu tun hat.

Pipette gibt einen Tropfen violettes Gel auf eine helle Fläche
Foto: Fernando Serrano / Pexels
INCI
Sodium Hyaluronate, Hyaluronic Acid, Hydrolyzed Hyaluronic Acid
Herkunft
Körpereigener Bestandteil der Haut; in Kosmetik in verschiedenen Molekülgrößen
Prinzip
Bindet Wasser in der Hornschicht, die Oberfläche wirkt praller und glatter
Bis zum Effekt
Ab etwa 30 Minuten, hält bis zu 24 Stunden
Beleglage
Teilweise belegt — Feuchtigkeit belegt, dauerhaftes Aufpolstern nicht

Wer ein Plumping-Serum aufträgt und nach einer halben Stunde glattere Haut sieht, sieht in den meisten Fällen Hyaluronsäure bei der Arbeit. Sie steckt in fast jedem Produkt dieser Kategorie — auch in vielen, die mit Volufiline oder PDRN werben. Der Effekt ist echt. Er ist nur nicht das, was der Name „Filler“ nahelegt.

Was Hyaluronsäure ist

Hyaluronsäure ist ein langkettiger Zucker, den der Körper selbst bildet und der in der Haut große Mengen Wasser bindet. In Kosmetik steht sie meist als Sodium Hyaluronate (das Salz) auf der Liste, kleinere Bruchstücke als Hydrolyzed Hyaluronic Acid.

Entscheidend ist die Molekülgröße, angegeben in Kilodalton (kDa):

  • Hochmolekular (etwa 1.000 bis 1.400 kDa) bleibt auf der Hautoberfläche. Sie bildet einen feuchten Film, der Wasserverlust bremst und die Haut sofort glatter wirken lässt.
  • Niedermolekular (etwa 20 bis 300 kDa) passiert die Hornschicht, das hat eine Messung mit Raman-Spektroskopie gezeigt. Sie bindet Wasser etwas tiefer, bleibt aber in der Oberhaut.

„Multi-molekulare“ Seren kombinieren mehrere Größen. Das ist sinnvoll, aber kein Qualitätsmerkmal an sich; eine Konzentration nennen die wenigsten Marken.

Was belegt ist

Der Soforteffekt. In einer vom Hersteller Beiersdorf finanzierten Studie war die zusätzliche Hautfeuchtigkeit ab 30 Minuten nach dem Auftragen messbar und nach einer einzigen Anwendung bis zu 24 Stunden signifikant. Mehr Wasser in der Hornschicht heißt: Die Oberfläche quillt leicht, feine Trockenheitslinien verschwinden, die Haut reflektiert Licht gleichmäßiger. Das ist der „Glow“ und das „Plumping“ der Werbung.

Die Wirkung über Wochen. Die bekannteste Studie dazu stammt von Pavicic und Kollegen aus dem Jahr 2011: 76 Frauen trugen 60 Tage lang Cremes mit 0,1 Prozent Hyaluronsäure in fünf verschiedenen Molekülgrößen auf. Alle Varianten verbesserten Feuchtigkeit und Elastizität. Die Faltentiefe ging aber nur bei den kleinen Größen von 50 und 130 kDa signifikant zurück.

Was Öko-Test sagt. Öko-Test fand bei der Prüfung von Hyaluron-Seren keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass Hyaluronsäure Falten dauerhaft reduziert. Das passt zur Studienlage: Feuchtigkeit ja, Falten allenfalls bei bestimmten Molekülgrößen und in kleinem Ausmaß.

Hyaluronsäure polstert die Haut sofort auf

Urteil: Belegt

Messbar ab etwa 30 Minuten, bis zu 24 Stunden nach einer Anwendung. Der Effekt beruht auf Wasser in der Hornschicht und verschwindet, wenn es verdunstet.

Hyaluronsäure füllt Falten auf wie ein Filler

Urteil: Falsch

Ein Hyaluron-Filler wird gespritzt und bringt Volumen unter die Haut. Ein Serum erreicht höchstens die Oberhaut. Dasselbe Molekül, eine völlig andere Anwendung.

Serum und Filler: gleicher Stoff, andere Welt

Dass Hyaluronsäure auch der Stoff der meisten Filler ist, sorgt für viel Verwirrung. Beim Filler wird Hyaluronsäure chemisch vernetzt, damit der Körper sie nicht schnell abbaut, und gezielt unter die Haut oder in die Lippe gespritzt. Dort nimmt sie selbst Raum ein.

Im Serum liegt die Hyaluronsäure unvernetzt auf und in der Hornschicht. Sie bindet Wasser, das dort ohnehin gebraucht wird, und gibt es wieder ab. Mehr Volumen unter der Haut entsteht dadurch nicht. Werbung, die ein Serum mit einer Unterspritzung vergleicht, hat ein deutsches Gericht schon 2009 als irreführend untersagt — Verbraucher erwarten dann eine Wirkung, die einer Behandlung in Qualität und Dauer nahekommt.

Wie man es anwendet

  • Auf feuchte Haut. Hyaluronsäure bindet Wasser, das da ist. Nach dem Waschen oder nach einem Gesichtswasser auftragen.
  • Mit einer Creme darüber. Die Creme bremst die Verdunstung und hält das Wasser länger in der Hornschicht.
  • Morgens und abends möglich. Hyaluronsäure verträgt sich mit fast allen anderen Wirkstoffen, auch mit Retinol, Vitamin C und Säuren.

Was das für den Kauf heißt

Ein gutes Hyaluronserum kostet in der Drogerie 10 bis 20 Euro und liefert den größten Teil dessen, was teurere Plumping-Seren nach dem Auftragen zeigen. Wer vor allem den Soforteffekt will — glattere Haut für den Tag, weniger Trockenheitsfältchen unter den Augen —, ist hier richtig. Wer ein dauerhaftes Volumen sucht, findet es in keinem Serum; das zeigen auch die Texte zu Volufiline und PDRN.

Quellen

  • Raman-Studie zur Penetration von Hyaluronsäure verschiedener Molekülgrößen, Skin Research and Technology — onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/srt.12228
  • Pavicic et al.: Efficacy of cream-based novel formulations of hyaluronic acid of different molecular weights in anti-wrinkle treatment, J Drugs Dermatol 2011 — jddonline.com
  • Klinische Bewertung eines Hyaluronsäure-Serums (Beiersdorf-finanziert), J Clin Aesthet Dermatol — jcadonline.com
  • Öko-Test: Hyaluron-Serum-Test — oekotest.de
  • LG Frankfurt a. M., Urteil vom 26.02.2009, 2-03 O 334/08 („Nadellos liften“, „ohne Spritze“) — ra-juedemann.de